17.08.2026 · The Hunters Club Team
Was bedeutet die Afrikanische Schweinepest für unsere Schwarzwildbestände?
ASP 2026 – Was bedeutet die Afrikanische Schweinepest für unsere Schwarzwildbestände?
Die Afrikanische Schweinepest – kurz ASP – gehört auch 2026 zu den größten Herausforderungen für Schwarzwild, Jagd und Schweinehaltung in Europa.
Was vor einigen Jahren vor allem als Problem Osteuropas wahrgenommen wurde, ist längst in Mitteleuropa angekommen. Polen, Deutschland, Ungarn und Italien verzeichnen weiterhin zahlreiche Nachweise, Spanien ist wieder betroffen und im Sommer 2026 wurde die ASP erstmals auch bei Wildschweinen in Finnland festgestellt.
Für uns Jäger stellt sich daher eine entscheidende Frage:
Was macht die ASP tatsächlich mit unseren Schwarzwildbeständen – und womit müssen wir in den kommenden Jahren rechnen?
Was ist die Afrikanische Schweinepest?
Die ASP ist eine Viruserkrankung, die Haus- und Wildschweine betrifft. Für Menschen ist sie ungefährlich und auch Reh-, Rot- oder anderes Schalenwild erkrankt nicht daran.
Für infizierte Schweine kann die Krankheit allerdings verheerend sein. Bei hochvirulenten Varianten sind Sterblichkeitsraten von nahezu 100 Prozent möglich. (WOAH)
Das Virus ist zudem ausgesprochen widerstandsfähig. Besonders Kadaver infizierter Wildschweine spielen eine zentrale Rolle bei der Weiterverbreitung: Das Virus kann darin über längere Zeit infektiös bleiben. Dadurch kann ein Gebiet auch dann noch epidemiologisch problematisch sein, wenn die Schwarzwilddichte bereits stark zurückgegangen ist. (WOAH – Europe)
Die Situation 2026: keine Entwarnung
Die Zahlen des Jahres 2025 hatten bereits gezeigt, dass die ASP in Europa keineswegs auf dem Rückzug ist.
Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA stieg die Zahl der gemeldeten ASP-Ausbrüche bei Wildschweinen innerhalb der EU von 7.677 im Jahr 2024 auf 11.036 im Jahr 2025 – ein Anstieg um rund 44 Prozent. (EFSA Journal)
2026 zeigt sich bislang ein stark saisonales Bild.
Im Januar wurden europaweit noch 1.187 ASP-Ausbrüche bei Wildschweinen gemeldet. Im März waren es 1.075, im April 951 und im Juli nur noch 420. Dieser Rückgang während der warmen Monate entspricht einem bekannten saisonalen Muster und sollte daher nicht automatisch als nachhaltige Entspannung interpretiert werden. (AGES)
Im Juli 2026 waren insgesamt bereits 17 europäische Länder von ASP betroffen, bei Wildschweinen gab es Nachweise in 15 Ländern. (ages.at)
Welche Regionen sind 2026 besonders betroffen?
Betrachtet man die aktuellen Nachweise bei Wildschweinen, bleibt die Lage regional sehr unterschiedlich.
Allein im Juli 2026 wurden folgende ASP-Ausbrüche beziehungsweise Nachweisorte gemeldet:
Italien: 121
Polen: 112
Ungarn: 58
Lettland: 57
Deutschland: 32
Kroatien: 10
Litauen: 7
Spanien: 6
Hinzu kamen Nachweise unter anderem in Estland, Rumänien, der Slowakei, Bulgarien und erstmals auch in Finnland. (ages.at)
Dabei ist wichtig: Ein im europäischen Meldesystem erfasster „Ausbruch“ bei Wildtieren bezeichnet einen gemeldeten Nachweisort und ist nicht automatisch mit genau einem infizierten Wildschwein gleichzusetzen. (ages.at)
Polen
Polen gehört weiterhin zu den europäischen Schwerpunkten. Bereits 2025 wurden dort tausende Ausbrüche bei Wildschweinen registriert. Auch 2026 bleibt das Virus in zahlreichen Regionen präsent. (Food Safety)
Italien
Besonders auffällig ist 2026 Italien. Mit 121 gemeldeten Wildschwein-Ausbrüchen allein im Juli lag Italien zu diesem Zeitpunkt europaweit an der Spitze. Auch in den Monaten davor waren die Zahlen hoch. (ages.at)
Deutschland
Auch Deutschland bleibt betroffen. Die ASP ist dort längst nicht mehr ausschließlich ein Problem an der polnischen Grenze. In den vergangenen Jahren entstanden neue Geschehen in anderen Teilen Deutschlands; 2026 wurden weiterhin zahlreiche Nachweise gemeldet. Das Friedrich-Loeffler-Institut aktualisiert seine ASP-Karten für Deutschland wöchentlich. (Friedrich-Loeffler-Institut)
Ungarn und Slowakei
Für Österreich besonders relevant ist die Situation in Ungarn und der Slowakei.
Im Juli wurden in Ungarn 58 Wildschwein-Ausbrüche gemeldet. Der nächstgelegene bestätigte Wildschweinnachweis lag zu diesem Zeitpunkt nur rund 98 Kilometer von der österreichischen Staatsgrenze entfernt. (ages.at)
Und Österreich?
Eine der wichtigsten Nachrichten vorweg:
Österreich ist mit Stand August 2026 weiterhin ASP-frei.
Die AGES stuft das Risiko eines Eintrags nach Österreich jedoch als hoch ein. Betroffene Länder grenzen direkt an Österreich, darunter Deutschland, Italien, die Slowakei und Ungarn. (ages.at)
Besonders interessant ist dabei, dass die AGES für Österreich den indirekten Eintrag durch den Menschen als größtes Risiko bezeichnet. (ages.at)
Das bedeutet: Nicht nur wanderndes Schwarzwild ist eine Gefahr.
Kontaminierte Jagdausrüstung, Schuhe, Fahrzeuge, Lebensmittel oder Fleischprodukte können das Virus über große Entfernungen transportieren.
Gerade für Jäger, die regelmäßig in Ungarn, Polen, der Slowakei, Kroatien oder anderen betroffenen Ländern jagen, ist Biosicherheit deshalb ein Thema, das unmittelbar zur jagdlichen Verantwortung gehört.
Was passiert mit einem Schwarzwildbestand, wenn ASP ein Revier erreicht?
Hier liegt wahrscheinlich der für Jäger interessanteste Punkt.
ASP bedeutet nicht automatisch, dass in einem gesamten Land plötzlich kein Schwarzwild mehr vorhanden ist.
Lokal kann die Wirkung aber dramatisch sein.
Wissenschaftliche Untersuchungen aus Polen und Lettland kamen in besonders betroffenen Populationen zu dem Ergebnis, dass etwa 80 Prozent der Mortalität im Schwarzwildbestand auf ASP zurückgeführt werden konnte. (European Food Safety Authority)
Das bedeutet in der Praxis:
Ein vormals starkes Schwarzwildrevier kann innerhalb relativ kurzer Zeit einen erheblichen Teil seines Bestandes verlieren.
Rottenstrukturen verändern sich.
Sichtungen nehmen ab.
Strecken können massiv einbrechen.
Und damit verändert sich auch die gesamte jagdliche Bewirtschaftung eines Reviers.
Allerdings unterscheiden sich Seuchenverlauf, Wilddichte, Landschaft und Bekämpfungsmaßnahmen von Region zu Region erheblich. Es wäre daher falsch, aus einzelnen stark betroffenen Gebieten eine pauschale Bestandsreduktion für ganz Europa abzuleiten.
Verschwindet das Schwarzwild dadurch?
Nein.
Schwarzwild besitzt eine hohe Reproduktionsleistung und kann Bestände grundsätzlich wieder aufbauen. Das große Problem bei ASP ist jedoch, dass der Erreger nicht einfach gemeinsam mit dem ersten starken Bestandsrückgang verschwindet.
Infizierte Kadaver können das Virus weiterhin in der Landschaft halten. Zusätzlich können neue Tiere einwandern oder das Virus erneut durch menschliche Aktivitäten eingeschleppt werden. Genau deshalb ist die Bekämpfung der ASP im Schwarzwildbestand so schwierig. (WOAH – Europe)
Die Krankheit kann daher über Jahre hinweg Einfluss auf die jagdliche Nutzung einer Region haben.
Bedeutet weniger Schwarzwild automatisch weniger ASP?
Leider nicht.
Eine Reduktion der Schwarzwilddichte kann ein wichtiger Teil einer Bekämpfungsstrategie sein. Sie allein reicht aber nicht aus.
Kadaversuche und -beseitigung, Überwachung, Probenahmen, Sperrzonen und konsequente Biosicherheit gehören ebenfalls zu den zentralen Instrumenten der Seuchenbekämpfung. (European Food Safety Authority)
Gerade die Kadaversuche ist entscheidend.
Ein krank erlegtes Stück ist sichtbar.
Ein verendetes, infiziertes Wildschwein irgendwo in einem Maisfeld, einer Dickung oder einem Schilfgürtel kann dagegen über längere Zeit eine Infektionsquelle darstellen.
Was bedeutet ASP für die Jagd?
Ein ASP-Ausbruch verändert nicht nur den Wildbestand.
Er kann den gesamten Jagdbetrieb beeinflussen.
Je nach behördlich festgelegter Zone können Jagdmethoden eingeschränkt oder gezielt angeordnet werden. Es können Betretungs-, Transport- und Vermarktungsregeln gelten, die Bergung von Wild wird aufwendiger und erlegtes Schwarzwild muss untersucht beziehungsweise besonders behandelt werden.
Die EU arbeitet deshalb mit unterschiedlichen Sperrzonen I, II und III, abhängig von der jeweiligen epidemiologischen Situation. (ages.at)
Für Revierbesitzer kann ein ASP-Ausbruch somit nicht nur einen starken Rückgang des Schwarzwildbestandes, sondern auch erhebliche organisatorische und wirtschaftliche Folgen haben.
Welche Verantwortung haben wir Jäger?
Jäger gehören gleichzeitig zu den wichtigsten Partnern bei der Früherkennung einer ASP-Einschleppung.
In Österreich müssen alle tot aufgefundenen Wildschweine gemeldet und auf ASP untersucht werden. (ages.at)
Besonders nach Jagdreisen in betroffene Regionen sollte außerdem auf konsequente Reinigung und Desinfektion von Ausrüstung, Schuhwerk und Fahrzeugen geachtet werden.
Wildbret, Trophäen oder andere tierische Produkte aus betroffenen Gebieten dürfen nicht unbedacht transportiert werden.
Waidgerechtigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang deshalb auch:
Verantwortung über den einzelnen Schuss hinaus zu übernehmen.
Wie ist die Aussicht für 2026 und die kommenden Jahre?
Eine schnelle europaweite Lösung ist derzeit nicht erkennbar.
Dafür ist das Seuchengeschehen geografisch inzwischen zu weit verbreitet. Dass 2025 die Zahl der Wildschwein-Ausbrüche in der EU um 44 Prozent gestiegen ist und 2026 mit Finnland ein weiteres Land erstmals betroffen wurde, zeigt, dass weiterhin mit neuen Ausbrüchen gerechnet werden muss. (EFSA Journal)
Der starke Rückgang der gemeldeten Wildschwein-Ausbrüche während des Sommers 2026 ist positiv, entspricht aber auch dem saisonalen Verlauf. Die europäischen Daten zeigen regelmäßig höhere Nachweiszahlen während der kälteren Monate. (ages.at)
Für Herbst und Winter bedeutet das:
Wachsamkeit bleibt notwendig.
Für Österreich wird entscheidend sein, einen Eintrag möglichst früh zu erkennen und insbesondere menschlich verursachte Fernverschleppungen zu verhindern.
Unser Fazit
Die Afrikanische Schweinepest wird die europäische Jagd noch längere Zeit beschäftigen.
In einzelnen betroffenen Regionen kann sie massive Auswirkungen auf Schwarzwildbestände haben. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der letzten Jahre, dass die ASP kein gleichmäßig durch Europa wandernder Seuchenzug ist.
Es entstehen regionale Schwerpunkte.
Andere Gebiete werden wieder frei.
Und gleichzeitig können durch menschliche Verschleppung hunderte Kilometer entfernt plötzlich neue Infektionsherde entstehen.
Für uns Jäger bedeutet das vor allem:
Beobachten. Melden. Verantwortung übernehmen.
Denn gerade die Jägerschaft ist täglich im Lebensraum des Schwarzwildes unterwegs und kann damit einen entscheidenden Beitrag zur Früherkennung leisten.
Die Frage für Österreich lautet deshalb möglicherweise weniger:
„Kommt die ASP?“
Sondern vielmehr:
„Wie gut sind wir vorbereitet, wenn sie kommt?“
Wie ist die Situation bei euch?
Jagt ihr in einer Region, die bereits von ASP betroffen war?
Wie stark haben sich Schwarzwildbestand, Strecke und Jagdbetrieb dadurch verändert?
Teilt eure Erfahrungen in der Community von THE HUNTERS CLUB.
Für Menschen, die Jagd leben.
Waidgerecht. Naturverbunden.
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